Glutenfreie
Survival-Guide

Muss man verhungern?

Muss man nicht. Meine Erfahrung war bisher ziemlich positiv: An allen Orten, an denen ich unterwegs war, habe ich glutenfreie Optionen gefunden. Gleichzeitig sollte man sich nicht darauf verlassen, dass „glutenfrei“ überall gleich verstanden wird.

Der Begriff „gluten allergy“ ist in den USA sehr geläufig und wird häufig auch dann verwendet, wenn es eigentlich um Zöliakie geht. Viele Mitarbeitende kennen das Thema zumindest grundsätzlich, aber nicht immer alle Konsequenzen – insbesondere bei Cross-Contamination. Deshalb frage ich im Zweifel lieber einmal konkret nach.

Essen gehen

Das lässt sich eigentlich ziemlich einfach zusammenfassen: Find Me Gluten Free war für mich in den USA extrem hilfreich – vor allem, wenn ich in eine neue Stadt gekommen bin und schnell herausfinden musste, was überhaupt infrage kommt.

Trotzdem ersetzt die App nicht den eigenen Verstand. Ich habe in Restaurants immer nochmal nachgefragt, ob ein Gericht wirklich celiac safe ist und wie es zubereitet wird. Manche Restaurants sind bei solchen Aussagen sehr vorsichtig und wollen keine Garantie geben. Dann hilft es, konkret nachzufragen: separate Fritteuse? eigene Arbeitsfläche? werden Handschuhe gewechselt? So merkt man meistens recht schnell, ob die Küche das Thema verstanden hat. In Chicago am Flughafen bin ich beispielsweise zufällig auf Burrito Beach gestoßen. Als ich dort nach glutenfreiem gefragt habe, kam die Gegenfrage "Celiac?". Als ich das bejaht habe, hat der Mitarbeiter seine Handschuhe gewechselt und alle Zutaten aus separaten Fächern genommen. Besser könnte es vermutlich kaum bei einer gemischten Küche sein und man hat sogar Einblick in die Prozessschritte.

Fast Food gibt’s in den USA natürlich genug, auch McDonald’s. Wichtig: Anders als in Deutschland sind die Pommes dort nicht automatisch glutenfrei. Dafür gibt es einige andere Ketten mit brauchbaren Optionen. Welche Fast Food Ketten da sind, hängt auch ziemlich vom Bundesstaat ab. Beispielsweise war In-N-Out Burger eher präsent an der Westküste, Culver's habe ich aber nur in Arizona und Utah gesehen. In New York gab es weder Culver's noch In-N-Out Burger.

Ein ziemlich lustiges Highlight war für mich In-N-Out Burger: Die haben zwar kein glutenfreies Bun, aber man kann den Burger stattdessen in Salat wickeln lassen – oder offenbar auch einfach Zwiebeln als „Bun“ nehmen. Sah absurd aus, war aber überraschend gut. 

Culver’s (auch Fast Food) war dagegen ein perfektes Beispiel dafür, warum man auch dann weiter mitdenken muss, wenn ein Teil der Bestellung eindeutig glutenfrei ist. Ich hatte ausdrücklich einen glutenfreien, celiac-sicheren Burger bestellt. Dazu wollte ich Kartoffelbrei. Der Mitarbeiter hat mir den Burger korrekt glutenfrei gegeben, beim Kartoffelbrei aber einfach die normale Variante dazugelegt, weil ich dort nicht nochmal separat „glutenfrei“ gesagt hatte. Zum Glück ist mir das aufgefallen. Für mich war das ein gutes Learning: Nicht davon ausgehen, dass Mitarbeitende automatisch die gesamte Bestellung im Zusammenhang betrachten. Auch wenn man einmal klar sagt, dass man Zöliakie hat, lohnt es sich, Beilagen, Saucen und Extras nochmal einzeln zu prüfen.

Selbstversorgung

Wenn ich ein Motel oder Hotel gebucht habe, habe ich möglichst auf mindestens einen Kühlschrank und eine Mikrowelle geachtet. Damit kommt man auch ohne richtige Küche schon ziemlich weit. Noch besser ist natürlich eine Unterkunft mit eigener oder gemeinschaftlicher Küche. In Hostelküchen hatte ich grundsätzlich gute Erfahrungen, habe aber ein paar Dinge selbst organisiert: einen eigenen Schwamm, möglichst keine gemeinsam genutzten Holzutensilien und Pfannen vor der Benutzung nochmal gründlich sauber machen. Grundnahrungsmittel wie Reis, Fleisch, Eier, Gemüse oder Milchprodukte bekommt man genauso unkompliziert wie in Deutschland. Ein einfacher Spartrick für längere Reisen: Fertiggerichte mit zusätzlichem Reis strecken – günstig, sättigend und auch mit Mikrowelle machbar. In manchen Hostels gibt es Gemeinschaftskühlschränke und Labels, mit denen man sein Essen beschriften kann. Das hat meistens gut funktioniert, nur einmal hat jemand mein Chicken geklaut :/ (hab es aber erstattet bekommen).

Mein wichtigster Fallback waren Snacks: Nüsse und Huel (Trinkmalzeit, ähnlich wie Yfood) hatte ich fast immer im Rucksack. Beides hab ich aber immer eher als Ergänzung und nicht als Ersatz gesehen. Bei Huel habe ich darauf geachtet, dass ausdrücklich „gluten-free” auf der Packung steht. Bei Nüssen war das schwieriger: Fast überall stand „may contain …” drauf. Solche Spurenhinweise sind in den USA wie in Deutschland freiwillig, und ein fehlender Hinweis ist keine Garantie. Trotzdem habe ich nur bei Trader Joe’s Packungen ohne diesen Hinweis gefunden und mich dort sicherer gefühlt, weil das Sortiment viel Bio und viel Glutenfreies enthält. Damit war ich nie auf die nächste sichere Option angewiesen und konnte auch mal eine lange Etappe ohne Stress durchfahren oder ein Restaurant, das sich doch nicht richtig anfühlte, einfach auslassen.

Beim Einkaufen waren für mich vor allem Walmart Supercenter (achte darauf dass Supercenter dabeisteht!), Trader Joe’s, Target, Ralphs und Vons praktisch. Wichtig: Glutenfreie Produkte stehen oft nicht gesammelt in einem eigenen Regal, sondern irgendwo zwischen normalen, „Organic“- oder „Natural“-Produkten. Man muss also manchmal etwas suchen, findet dann aber meistens doch einiges. Wenn ich etwas nicht gefunden habe, habe ich einfach Mitarbeitende gefragt. Glutenfreies Brot fand ich eher enttäuschend, sehr süß, bröselig + teuer; Schär gab es vereinzelt. Dafür funktionieren Basics wie Erdnussbutter, Obst, Nüsse oder Reis eigentlich immer.

Fazit

Am Ende war das mein wichtigster Punkt: Nicht darauf hoffen, dass sich unterwegs schon irgendwas findet, aber sich deswegen auch nicht verrückt machen. Mit etwas Vorbereitung, ein paar Fallbacks und der Bereitschaft nachzufragen funktioniert viel mehr, als man vorher denkt.

Ich war allein unterwegs, aber ich reise auch gern mit Freunden, die ganz normal Gluten essen. Dann heißt es: arrangieren und flexibel bleiben. Wichtig ist, dass alle vorher wissen, worauf sie sich einlassen, denn mit Zöliakie kann es für die ganze Gruppe etwas umständlicher werden. Wenn meine Freunde unbedingt lokale Spezialitäten probieren wollen, esse ich im Zweifel nur eine Kleinigkeit, hole mir vorher etwas auf die Hand oder gehe kurz woanders hin.

Solo kann man alles selbst entscheiden und muss sich nach niemandem richten. Dafür ist man aber auch auf sich gestellt, wenn etwas schiefläuft. Deshalb kommt es für mich weniger auf die Zöliakie an als darauf, welcher Reisetyp man ist. Mit etwas Planung, offenen Worten und einem Plan B im Kopf klappt es in beiden Fällen. Also: Koffer packen, Snacks einstecken, losfahren.